by  Walter O. Ötsch

Januar 29, 2021

Ein Buch zu den theoretischen Grundlagen der ökonomisierten Gesellschaft.

Das Buch beschreibt:

(1) wie sich die Ökonomie zu einer Wissenschaft von "dem Markt" geworden ist,

(2) wie sich dieses Konzept durchgesetzt und die Gesellschaft durchdrungen hat, und

(3) welche Folgen das hatte: bis hin zur Finanzkrise 2008, zur Klima(wandel)skeptiker und zum Rechtspopulismus, der als neue Politikform „des Marktes“ interpretiert wird.

Mythos Markt, Mythos Neoklassik. Kritik des Marktfundamentalismus, Metropolis Marburg 2019

Link beim Verlag

Im Buch wird versucht:

  • eine Neudeutung der Geschichte des Neoliberalismus über fast 100 Jahre: von Ludwig (von) Mises bis heute.
  • eine Präzisierung des Kerns des Neoliberalismus als einer Wissenschaft von „dem Markt“ – das wird als Marktfundamentalismus anhand von 50 Basissätzen definiert.
  • ein Überblick, wie die heute dominante ökonomische Theorie (die Neoklassik) marktfundamental geworden ist.
  • zu zeigen, welche Widersprüche in dem Konzept „des Marktes“ eingebaut sind, die seine Dynamik und seine zunehmende Radikalisierung über Jahrzehnte ausmachen.
  • eine Klärung, warum der Marktfundamentalismus zu einer Theorie für eine ökonomisierte Gesellschaft werden konnte.
  • eine detaillierte Kritik des wichtigsten Modells der Ökonomie, dem Angebots-Nachfragemodell, wie es in den führenden Lehrbüchern der Nationalökonomie zu finden ist. Es wird bestritten, dass dieses Modell eine wissenschaftliche Aussagekraft zur Erklärung der Wirtschaft besitzt.
  • eine Klärung, wie es möglich wurde, dass eine formale Theorie (das neoklassische Marktmodell) zum Träger eines Mythos werden konnte, in dem – vollkommen faktenfrei – der Kampf des Guten („der Markt“) gegen das Böse („der Staat“) erzählt wird.
  • ein Überblick, welche praktischen Auswirkungen „der Markt“ für die Wirtschaftspolitik, für die Politik und die Gesellschaft insgesamt ausübt und welche Gefahren vom Bild „des Marktes“ ausgehen.
  • eine Darstellung von wichtigen Folgen für die Gesellschaft heute, erklärt anhand des Wissenskonzeptes von Friedrich August (von) Hayek: warum ÖkonomInnen die Finanzkrise 2008 nicht für möglich erachtet haben, wie sie auf die Krise reagiert haben, welche Aussagen zu den ökologischen Krisen hier enthalten sind – bis hin zur Klima(wandel)leugnung – und warum der Rechtspopulismus vermutlich zur künftigen Politikform „des Marktes“ werden wird.

Das Argument wird auf drei Ebenen entwickelt:

  1. Historisch: die Entstehung des Ansatzes, die Kontexte und Hintergründe und einige geschichtlichen Folgewirkungen.
  2. Theoretisch: was die Theorien, die das Konzept „des Marktes“ verwenden, auszeichnet, insbesondere die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum Standardmodell der Neoklassik, das in den führenden Lehrbüchern zu finden ist.
  3. Diskursanalytisch: wie „der Markt“ von Medien und in der Politik verwendet wird und welche Folgen und Probleme sich für die Gesellschaft heute ergeben.
Schreiben Sie einen Kommentar:

Your email address will not be published. Required fields are marked

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Sehr geehrter Herr Ötsch,

    ich habe heute mit Interesse Ihren Beitrag in der Wiener Zeitung gelesen und in Folge dieses Buch von Ihnen bestellt.

    Da ich selbst im Bereich der öffentlichen Verwaltung arbeite meine Frage ob Sie auch zum Thema des Neuen Steuerungsmodells und seiner Umsetzung in Österreich, speziell in Wien, gearbeitet haben bzw, mir dafür Literatur empfehlen können.

    Ich beobachte generell, dass im öffentlichen Bereich zunehmend Methoden und Sichtweisen eingeführt werden, die aus meiner Sicht für die Profitmaximierung privater Konzerne entwickelt wurden. Balanced Scorecard, Kennzahlen, künstliche Märkte, Inszenierung von Konkurrenz, künstliche Märkte, usw. Gibt es dazu Literatur in Österreich?

    Besonders irritierend sehe ich die neue Begriffswelten. Kollegen werden als Kunden bezeichnet. Es werden Auftraggeber – Auftragnehmer Beziehung inszeniert, Dienstleistungen werden plötzlich als Produkt bezeichnet und zunehmend so behandelt. Also so wie ein Sachgut auf einem Fließband in der Fabrik wird auch die Denkarbeit behandelt.

    Zunehmend wird alles als Prozess mit Anweisungen wo zuvor selbstorganisertes, selbstbestimmtes Arbeiten möglich war.

    Das alles natürlich voll digitalisiert.

    Wenn Sie zu angeführten Themenfeldern Litertaurtipps haben wäre ich Ihnen sehr dankbar, Gerne auch theoretische Klassiker oder Literatur. Bin für alles dankbar was mit zusätzliche Sichtweisen ermöglicht.

    Danke.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Altmann

    1. Lieber Herr Altmann,

      Zur Frage der Ökonomisierung der öffentlichen Verwaltung gibt es viel Literatur.

      Hier zwei Hinweise, schon etwas älter, als Einstieg für eine Vertiefung in die Fragestellung gut geeignet.

      (1) Wolfgang Drechsler: Aufstieg und Untergang des New Public Management, Kurswechsel 2 / 2008. Man kann ein ganzes Heft von Kurswechsel hier downloaden: http://www.beigewum.at/kurswechsel/jahresprogramm-2008/heft-22008/

      (2) Ein zusammenfassender Bericht für Österreich: https://www.verwaltungsmanagement.at/622/uploads/public_management_reforms_in_austria_15-2004.pdf

      Mit lieben Grüßen

      Walter Ötsch

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}