by  Walter O. Ötsch

November 7, 2026

Trump: the party is over – der Niedergang der MAGA-Sekte

Eine historische Parallele?

Im Jahre 2000 habe ich ein Buch über Jörg Haider, Führer der #FPÖ, geschrieben (Haider Light), ich habe die FPÖ als eine Sekte mit Haider als Guru bezeichnet. Am Schluss des Buches fragte ich: Was passiert beim Niedergang einer Sekte?

Zwei Szenarien fielen mir ein: Implosion und Explosion.

Ich sehe eine Parallele zu Trump jetzt. Übersetze das, was ich im Spätsommer 2000 geschrieben habe, für Trump im Herbst 2026. 

Hier mein Text vom Spätsommer 2000: 

Ein halbes Jahr Regierungsbeteiligung führte für Haider zu zwiespältigen Ergebnissen. Haider wurde zum Medien-Weltstar, allerdings nicht als Robin Hood, sondern als Welt-Bösewicht. Die EU stellt sich ihm ernsthaft entgegen, ein Kanzler Haider erscheint wenig wahrscheinlich. Haider hat in diesem halben Jahr das Klima in Österreich dramatisch verändert. Sein Welt-Bild steht hoch im Kurs. Die Früchte erntet jedoch (vorläufig?) der Regierungs-Partner. Die FPÖ hat bei allen Wahlen im Jahr 2000 verloren, zum Teil sehr deutlich. Die geschätzte Zustimmung zur Partei ist um 5 bis 8 Prozentpunkte zurückgegangen. Zugleich hat sich die Regierung ein drastisches Sparprogramm verordnet, dass alle Bevölkerungsschichten treffen wird. Haider Wähler werden weiter enttäuscht werden, die erhoffte Erlösung tritt nicht ein.
Was macht Haider, wenn seine Partei weiter Stimmen verliert?

Die zwei Phasen einer Sekte

Sekten durchlaufen typischerweise zwei Phasen. (Kramer, Joel, Alstad, Diana, Hg.: The Guru Papers. Masks of Authoritarian Power, Berkely 1993).
Phase 1 ist die „messianische Phase“. Die Sekte lebt ihre Botschaft: die Rettung der Menschheit, das Heil der Welt. Immer mehr Jünger strömen zu. Der Guru badet in wachsender Zustimmung. Sein Bedürfnis nach Macht und Anbetung ist gestillt. Er hofft auf die Erfüllung seiner Pläne. In der Sekte herrscht eine partylike Atmosphäre. Alles erscheint möglich. Die Jünger vertrauen auf das versprochene Heil. Alle fühlen sich vital und stark. Neue Mitglieder strömen zu und werden (vorerst) als etwas Besonderes erachtet. Selbstsicherheit und Ausstrahlung wächst.
Nach einiger Zeit ist der Spaß vorbei. (The party is over.) Die Jünger begreifen, dass das versprochene Heil eine Illusion ist. Die Rettung der Welt findet nicht statt. Die Sekte tritt in eine neue Phase. Kramer und Altstadt nennen sie „apokalyptische Paranoia“. In dieser Phase passieren gewöhnlich zwei Dinge:
Die Botschaft des Gurus schwenkt vom Optimismus zum Pessimismus. Er spricht vom Weltuntergang.
Um dennoch neue Jünger anzulocken, werden seine Versprechungen noch bizarrer. Jetzt verspricht er alles, - was die Jünger hören wollen.
In Phase zwei kämpft die Sekte um ihr Überleben. Die Außen-Welt wird noch bedrohlicher. Die beidseitige Ausgrenzung steigt. Die Macht der FEINDE scheint ins Unermessliche zu wachsen. Je sonderbarer die Sekte agiert, desto stärker die Reaktion von außen. Guru und Jünger verstärken ihre Paranoia. Die Bedürfnisse des Gurus nach Anbetung können durch äußere Erfolge und neue Jünger nicht mehr erfüllt werden. Der Guru verlagert seine Energie mehr nach innen. Die Gruppe kapselt sich ab. Die Jünger müssen mehr gehorchen. Der Ton wird militaristischer. Die Heilserwartungen werden in eine ferne Zukunft verlegt. Der Spaß ist vorbei: Angst-Wolken durchziehen die Sekte. Endzeit-Stimmung entsteht.

Endzeit

Haider könnte zur „Einsicht kommen, dass Österreich, dass seine Partei, dass vielleicht auch Kärnten ihn gar nicht verdienen. In einer solchen Stimmung wird alles möglich. [...] Ein solches Ende wäre nicht schön. Die Isolierung Österreichs würde im Endkampf zunächst noch zunehmen. Man kann sich den Wiener Wahlkampf 2001 ausmalen, wenn eine FPÖ, die sich in die Ecke gedrängt fühlt, die Erfolgsrezepte des 3. Oktober (1999) mit noch mehr Nachdruck anwendet. Man kann sich auch vorstellen, zu welchen Verschwörungstheorien der „harte Kern“ um Haider greifen wird, wenn die Kreise immer enger werden – eine Endzeitstimmung, die Vorsichtige als Provinzabklatsch der Vorgänge im Weißen Haus im Sommer 1974 rund um den Rücktritt Richard Nixons bezeichnen und weniger Vorsichtige mit den Ereignissen in einem gewissen Bunker des Frühjahrs 1945 bringen werden.“ (Der Politologe Anton Pelinka im Falter 18/2000).

Die Frage für uns heute:

Was macht Trump, wenn er in eine Endzeitstimmung kommt?

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